Suche

Die BildungsAgent*innen beim benbi – eine Woche Stadtplanung

Allgemein,  BildungsAgent*innen,  Bildungsarbeit


In einer Woche im November verwandelt sich das FEZ (Freizeit- und Erholungszentrum) im Berliner Süden in einen Lernort für globales Lernen. Schulklassen aus ganz Berlin sind beim Berliner Entwicklungspolitischen Bildungsprogramm (benbi) eingeladen, in verschiedene Themen des globalen Lernens einzutauchen. Jedes Jahr gibt es ein anderes Jahresthema und dieses Jahr war es „Gender. Vielfalt. Gerechtigkeit.“ Neben verschiedenen Workshops gibt es jedes Mal auch wieder ein buntes Rahmenprogramm mit Vorträgen und einem Filmdreh.

Workshopstand der BUNDjugend Berlin beim benbi mit Pinnwand und Papphockern in einem Halbkreis.
Unser Workshopstand beim benbi 2025

Auch die BildungsAgent*innen der BUNDjugend Berlin waren dieses Jahr wieder dabei. Wir hatten uns für das Thema geschlechter- und klimagerechte Stadtplanung entschieden. Zwei BildungsAgent*innen und ich (Anja) hatten Anfang des Jahres super Lust darauf, uns näher mit diesen beiden Themen und den Zusammenhängen dazwischen zu beschäftigen. Deshalb haben wir gemeinsam einen Workshop für das benbi entwickelt und uns dabei auf die Unterthemen Hitze und Mobilität konzentriert. Unser Ziel war es, die Schüler*innen für die Zusammenhänge zwischen Stadtplanung, Klima- und Geschlechtergerechtigkeit zu sensibilisieren. Denn die sind tatsächlich offensichtlicher (und gleichzeitig komplexer) als wir so denken mögen.

Nehmen wir den Alexanderplatz in Berlin: zwei Bäume, ein kleiner Brunnen und ansonsten nur große Gebäude und Beton auf dem Boden. Dieser Beton heizt sich sehr stark auf und gibt die Wärme dann die ganze Nacht wieder ab. So hat der Bezirk Mitte fast 3 Hitzetage* mehr als Steglitz-Zehlendorf. Im Zeitraum 2031-2060 werden es sogar fast 4 Tage mehr sein. Bei Tropennächten* zeigt sich der Unterschied noch stärker: Momentan ist es nur ein Tag, im Zeitraum 2031 bis 2060 können es bis zu 3 sein. Das belastet vor allem vulnerable Gruppen wie Kinder, Kranke, Alte, Menschen mit Behinderungen und auch Frauen.

Auch öffentliche Verkehrsmittel sind ein Punkt: Frauen nutzen häufiger Bus, Bahn, Tram, weil sie im Durchschnitt weniger verdienen, sich so kein Auto leisten können und dadurch auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind. Doch die sind nicht auf die Fortbewegungsmuster von Frauen* ausgelegt: durch die Sorgearbeit, die Frauen noch immer deutlich häufiger machen als Männer, legen sie meistens eher Wegeketten, beispielsweise weil sie auf dem Heimweg noch schnell einkaufen und dann die Kinder abholen bevor sie zu Hause ankommen, zurück anstatt zwischen Wohnort und Arbeitsplatz zu pendeln wie die meisten Männer. Doch die öffentlichen Verkehrsmittel sind eher auf diese Pendelstrecken ausgelegt.

Lösungsmöglichkeiten klingen relativ einfach, sind aber dennoch eher schwierig umzusetzen, weil Stadtplanung ein langer Prozess ist und Gebautes schwer wieder abgerissen werden kann. Hier sind aber mal ein paar Beispiele:

Parks mit geschlechtergerecht geplanten Spielplätzen: sie kühlen tagsüber und nachts die Umgebung ab, spenden im besten Fall Schatten und bieten gleichzeitig eine kostenlose Möglichkeit, draußen gemeinsam Zeit zu verbringen. Die Stadt Wien ist dabei Vorreiter, weil sie geschlechtergerechte Stadtplanung als ein Prinzip in ihren Planungsprozessen verankert hat.

Oder das Prinzip der 15 Minuten Stadt, welches Paris versucht umzusetzen: klimagerecht, weil alles lebenswichtige innerhalb von 15 Minuten zu Fuß, dem Rad oder den Öffis erreichbar ist und so das Auto stehen gelassen werden kann. Hilft nicht nur dem Klima, Frauen müssen auch für ihre Sorgearbeit nicht so lange Wege zurück legen und haben so mehr Zeit für andere schöne Dinge.

Wir konnten insgesamt 6 Workshops für die Sekundarstufe I und II (also 7-10 und 11-13 Klasse) anbieten. Die Schüler*innen hatten alle unterschiedliche Hintergründe und Vorwissen zu dem Thema, sodass ein guter Austausch entstanden ist. Mithilfe eines Memorys haben sie sich zuerst die Zusammenhänge erschlossen.

Ihr erworbenes Wissen konnten sie dann im Highlight des Workshops direkt anwenden: beim Bauen ihres eigenen klima- und geschlechtergerechten Kiezes aus Lego und Papier. Da hat selbst die unmotivierteste Person mitgemacht. 😉 Hier könnt ihr ein paar der Stadtviertel sehen:

Uns dreien hat es sehr viel Spaß gemacht und wir haben auch sehr viel gelernt. Wir planen fest, auch nächstes Jahr wieder dabei zu sein.

Wenn Du Lust hast, bei solchen Events mitzumachen oder allgemein Workshops für Schulklassen zu geben, dann komm zu den BildungsAgent*innen! Wir sind eine Gruppe junger Menschen, die 3-stündige Workshops zu verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen an Schulen geben, von der fünften bis zur zwölften Klasse. Schreib Anja einfach eine Mail oder ruf an!

Person mit Rucksack vor Landschaft und Meer
Anja
Telefon:
030/39 84 85 86

*Tage mit über 30°C Höchsttemperatur
*Nächte mit Tiefsttemperaturen, die nicht unter 20°C fallen
*Beziehungsweise Menschen, die Care-Arbeit machen. Nur wird in Studien meistens nach binären Geschlechtern getrennt.

Vorheriger ArtikelCall for Participants – Jugendbegegnung in Berlin: Fields of Tomorrow Nächster Artikel„Zum Sterben zurückgelassen“ – unsere Kooperation mit dem Tierschutzverein Berlin